Umweltgifte durch schmelzende Gletscher Alpen
Kategorie: Klima & Umwelt | 1 Kommentar | Von Handwerk CH - Redaktion
Die Klimaerwärmung ist im vollen Gange. Als eine Folge davon schmelzen die Gletscher in den Alpen zunehmends und ziehen sich je länger je mehr zurück. Wenn die Gletscher schmelzen kommen bis anhin isolierte chemische Substanzen an die Oberfläche, deren Verwendung seit vielen Jahren verboten sind.
Gletscher setzen Umweltgifte frei
Die Gletscherschmelze in den Alpen fördert Gefährliches zu Tage. Wenn sich die Gletscher zurückziehen setzen sie nämlich Umweltgifte frei, die vorher mehrere Jahrzente im isolierenden Eis der Gletscher verschlossen waren. Diese Umweltgifte in den Gletschern zählen heute zu den verbotenen chemischen Substanzen. Dies geht aus einer Gletscher Studie in Zusammenarbeit der ETH Zürich, der Empa und der Eawag hervor. Die Gletscher Studie untersuchte unter Leitung der Forscher Christian Bodgal von der ETH Zürich und Forscher Peter Schmid (Empa) die Sedimentschichten vom Oberaarsee nahe des Grimselpass. Der Oberarsee ist ein Stausee und liegt auf etwa 2300 Meter Höhe. Dank der Untersuchung der Sedimentschichten gelang eine Rekonstruktion der Ablagerungen von schwer abbaubaren organischen Stoffen der insgesamt letzten sechzig Jahren. Einige dieser gefundenen Umweltgifte, auch genannt persistent organic pollutants (POP), sind technische Chemikalien oder Dioxine. Die technischen Chemikalien kamen früher als Pestizide zum Einsatz oder wurden auch als Weichmacher verwendet. Diesen Umweltgiften wird eine krebserregende Wirkung auf die Menschen und auf die Tiere zugeschrieben.
Besonders in den Schichten der 60er und 70er Jahre wurde eine erhöhte Menge an Umweltgiften festgestellt und ist laut Studie gut erkennbar. 1960 bis 1970 war die Verwendung der gefährlichen chemischen Schadstoffe durchaus Standard und wurde in rauen Mengen hergestellt. Ebenfalls anhand der Sedimentschichten lässt sich nach 1970 ein Rückgang an den POPs feststellen, denn nach 1970 wurde ein gesetzliches Verbot für viele dieser Substanzen ausgesprochen. Ein erneuter Anstieg an Umweltgiften verzeichnen die Sedimentschichten für die Jahre 1995 – 2000, teilweise war deren Anteil gar grösser als noch 1960 – 1970.
Wegen Gletscherschmelze mehr Gifte
Der Klimawandel bringt nun nebst der Schrumpfung der Gletscher eine weitere unangenehme Folgeerscheinung mit sich. Durch die Schmelzung der Gletscher werden nämlich jene giftigen Schadstoffe, die wohl besser weiterhin isoliert blieben, an das Tageslicht bzw. an die Oberfläche gebracht. Der Oberaargletscher beispielsweise ist im Zuge der Gletscherschmelze in den letzten 80 Jahren um über 1,6 Kilometer geschrumpft und so setzte der Gletscher bereits hohe Mengen an chemischen Schadstoffen und Umweltgiften frei. Diese giftigen Substanzen gelangten vor vielen Jahren mit der Luft auf den Gletscher und wurden vom Gletscher eingeschlossen. Mit der Gletscherschmelze werden sie wieder freigesetzt. Die Umweltforscher und die Forscher der Gletscher Studie warnen, dass die schrumpfenden Gletscher nicht zu unterschätzende Gefahren für die Umwelt und das Klima darstellen. Die Untersuchungen am Oberaarsee, der hauptsächlich vom Oberaargletscher gespeist wird, werden weiter fortgeführt, um vorab rekonstruieren zu können, ob die Gletscher wegen der unaufhaltsamen Gletscherschmelze in Zukunft wesentlich höhere Mengen an giftigen Substanzen freisetzen. Die Gletscherschmelze und ihre unangenehmen Folgen.
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